Pandaverständigung(administrator gift!)
Pandabären sind possierliche Tiere mit einer Zeichnung, die nur dem Hirn eines vorwitzigen Comiczeichners entsprungen sein kann, so muss es jedenfalls dem unvoreingenommenen Betrachter, der noch nie einen Pandabären gesehen hat - wenn es so einen Menschen überhaupt gibt - erscheinen. Sie sind und das weiß auch jeder, vom Aussterben bedroht.

Der Verlust ihres Lebensraums hat in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, Tierschützer auf den Plan gerufen. Sie haben schnell bemerkt, dass diesem Tier die Herzen der Menschen im Nu zufliegen. Im Handumdrehen wurde er zum Werbeträger aufgebaut. Sein Image - süß, tollpatschig und friedlich – und sein hartes Schicksal, unwiederbringlich zu verschwinden, rührte die Menschen. Spendengelder flossen in großen Strömen. Der World Wide Fund for Nature (vormals Word Wildlife Fund) startete 1980 Schutzprojekte in Zusammenarbeit mit den Chinesen, um diese niedlichen Tierchen vor dem Aussterben zu bewahren. Es gelang die Lebensräume zu schützen, die einzelnen isolierten Vorkommen wieder teilweise miteinander zu verbinden und so den Genpool zu vergrößern und ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Die Chinesen haben eng mit dem WWF zusammengearbeitet und viel gelernt.

Der Pandabär ist zum Nationaltier geworden. Es gibt Pandaplüschtiere, Pandatassen, Pandas auf T-Shirts, Regenschirmen und Taschen. Man kann sich mit Pandababys fotografieren lassen oder mit ihnen spielen. Die Pandazuchtstationen haben alle Hände voll zu tun, um die Sexmuffel doch zur Vermehrung zu bringen. Im Gegensatz zu den glücklicheren, in weitläufigen der natürlichen Umgebung angepassten Gehegen lebenden Exemplaren sind viele dieser so wertvollen Tiere dort in winzigen Boxen untergebracht. In der Zuchtstation Bifengxia können zahlungskräftige Touristen sich auch als Tierwärter verdingen und die Pandas füttern, die Käfige säubern und den Kot wiegen.

Der enge Kontakt zu MPanda zum Pflegenenschen und die fehlende Kenntnis über die Nahrungsbeschaffung in freier Wildbahn lässt die Auswilderung dieser Tiere allerdings immer wieder scheitern. Aber das ist im Grunde nicht so schlimm, denn für die Natur sind diese possierlichen Wesen viel zu schade und es gibt für einen Panda noch andere Möglichkeiten ein sinnvolles Leben zu führen.

Die Tiere werden an ausgewählte Zoos in fremden Ländern vermittelt, damit diese sich um die Fortpflanzung bemühen und somit einen Beitrag zum Erhalt dieser bedrohten Art leisten können. Alle Kosten für die Unterbringung und den Transport werden vom aufnehmenden Zoo übernommen, zusätzlich zahlen jene eine Leihgebühr von mehreren Millionen, die dem Erhalt der Art zu Gute kommen soll. Falls das Unterfangen tatsächlich zu einem Zuchterfolg führen sollte, geht das Junge in das Eigentum des Leihgebers über.

Wichtig bei diesem Konzept, sowohl für den Leihgeber als auch für den Leihnehmer, ist, dass die Anzahl der Pandas in den westlichen Zoos gering bleibt. Eine inflationäre Vergabe der kostbaren Kleinigkeiten würde innerhalb kürzester Zeit die Geschäftsgrundlage zerstören. Der Preis für eine solche Leihgabe würde gemindert, kein Zoo wäre mehr bereit, für einen Bären solche Summen aufzubringen. Denn auch die Stadt und der Zoo, die das nötige Kapital investieren können, versprechen sich von der Ausstellung dieses seltenen Tieres eine unglaubliche Gewinnmaximierung. Die Rechnung geht natürlich nur auf, wenn der Besucher den Panda nur dort sehen kann und nicht in jeden x-beliebigen Zoo. Es ist also eine win-win-Situation, die von einem fragilen Gleichgewicht lebt.

Der Erhalt der Artenvielfalt, der Schutz der Tiere und was Zoos noch als Selbstrechtfertigungsgründe vorbringen, treten als das zu Tage, was sie sind: Scheinargumente, um die Zurschaustellung der Tiere aus Profitgier mit einem hehren Wertekanon zu verschleiern. Eine moderne Sklavenhaltung, die die vollständige Preisgabe der Persönlichkeit der gefangenen Individuen verlangt, vergolten wie eh und je mit Unterkunft und Verpflegung.

Mit der Rettung der Lebensräume des Java-Nashorns, von den es nur noch geschätzte 40-60 Exemplare gibt, oder der Madagassischen Schnabelbrustschildkröte, deren Hauptproblem, wie beim Pandabären, die Habitatzerstörung ist und von der noch etwa 200 Exemplare in freier Natur zu finden sind, kann nicht das große Geld gemacht werden. Warum sollte das Geld, das ja zweifellos vorhanden ist, in den Erhalt der Saola (vietnamesisches Wildrind, erst 1983 entdeckt und 1996 erstmals fotografiert und jetzt schon fast ausgestorben) oder der Cross-River-Gorillas gehen, wenn diese keinen direkten Nutzen abwerfen?

Der Erhalt einer Tierart in einem Zoo, ist viel effektiver als der Erhalt seiner Lebensräume. Die Betriebskosten eines Zoos sind zwar hoch, in Relation mit den Kosten für den Schutz der einzelnen Biotope dann doch wieder gering und zusätzlich können die Bürger belehrt und bespaßt werden, und, wenn der Zoo es geschickt anstellt, große Gewinne eingefahren werden.

Der Zoobesucher seinerseits will auch nichts anderes als Attraktionen geliefert bekommen, die Rettung von aussterbenden Tierarten liegt gar nicht in seinem Interesse. Er will das Kribbeln spüren, dass man auch verspürt, wenn man seinem Idol begegnet, einer bekannten Persönlichkeit die Hand schüttelt oder auch dem Superstar Panda gegenübersteht. Der Reiz ginge verloren, wenn der Panda nicht mehr in dieser Riege mitspiele.

Da ist es auch (fast) egal, dass der WWF in einem seiner Berichte, die Pandabären von der Liste der bedrohten Tiere genommen hat, weil deren Bestand seit Jahren steigend ist. Die Marketingabteilung ist gespornt, diese Nachricht vergessen zu machen, denn die Verluste wäre gewaltig.

Silvia Neye