Der mops-block bietet Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes aus Orten, an denen mit Recht oder vom Recht gehandelt wird: Universität, Theater, Akademie, Kino, Literatur, Gericht, Verwaltung, Presse, Parlament etc.
Notiert wird das Flüchtige am Rechts-Geschäft, Flurgeflüster, Kantinengespräche, Marginales, Banales, Nichtgrundsätzliches, Ein- und Zugefallenes - Tagebuch und Meinung der Blocker und ihrer Gäste.

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Freitagmorgen, Vortrag in der juristischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin. Dr. Ingo Venzke , LL.M. (London), zurzeit Amsterdam  und auch sonst weitgereist, stellt seine Dissertation vor. Sie ist natürlich in Englisch verfasst. Muß so sein heute, wenn man gelesen werden will. Und wer glaubt, etwas zu sagen zu haben, der will auch gelesen werden. Thema des Vortrags: "Über Wörter und Taten: Wie die Praxis der Interpretation das Völkerrecht schöpft". Der Titel verspricht nicht viel. Schließlich wird alles Recht, das das Buch verlässt, durch die Praxis der Interpretation  geschöpft. Warum sollte das beim Völkerrecht anders sein?

Drei volle Tage mit Julia Küppers. Genauer: mit ihrer Dissertation. Ein lustiges Buch. Begonnen als Versuch, in konventioneller Weise (Lesen, Materialsammeln, Quellen studieren, Konzipieren, Schreiben) über ein rechtshistorisches Thema (DDR-Bodenreform) einen Text zu fabrizieren. Unter der Hand dann zum (rechts-) geschichtstheoretischen Durchgang durch das Factum/Fictum-Elend der Historiographie geronnen. Verblüffend, was sie alles in relativ kurzer Zeit neben ihrer Arbeit alles gelesen (und verstanden) hat.


Benjamin Lahusen, Alles Recht geht vom Volk aus
Die deutsche Rezensionskultur, das ist unbestritten, lässt zu wünschen übrig. Ein Autor handelt sich entweder das mainstream-Urteil ein, dass seine Arbeit zwar zu kritisieren, aber letztlich doch auch positiv zu bewerten sei oder er hört überhaupt nichts aus seiner friedlich schlummernden community oder er erfährt unkritisches Lob, das ihm die Förderung verweigert oder erlebt einen donnernden Verriss - ebenfalls ohne Förderung.

Aber es gibt auch Ausnahmen, immerhin! Dazu  hier....
Das Neue Jahr hat begonnen. An den Rändern der Berliner Straßen verenden die dem Wald entrissenen Tannen. Die abgesägten Beinstümpfe ragen in das schneelose, feuchte Wetter und signalisieren den sozialen Status derer, die sie genutzt und jetzt auf den Müll geworfen haben. Anspruchsvoll und stufenweise ausgefräste Stümpfe deuten auf große und prachtvolle Ständer, unbearbeitetes Holz mit Bohrlöchern an der Seite signalisiert schlichte Verschraubung in einfacher Halterung.