Mops-Blöcke

Mops-block enthält Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes aus Orten, an denen mit Recht oder vom Recht gehandelt wird: Universität, Theater, Akademie, Kino, Literatur, Gericht, Verwaltung, Presse, Parlament etc.
Notiert wird das Flüchtige am Rechtsgeschäft, Flurgeflüster, Kantinengespräche, Marginales, Banales, Nichtgrundsätzliches, Ein- und Zugefallenes - Tagebuch und Meinung der Blocker.

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Braunhäute II

Geschrieben von: Benjamin Lahusen Mittwoch, den 16. Mai 2012 um 23:51 Uhr

Wer mit der Regionalbahn von Berlin nach Rostock fährt, kommt irgendwann durch das beschauliche Örtchen Waren (Müritz), idyllisch zwischen riesigen Seen gelegen, mit alten Backsteinkirchen und dem sonstigen Schmuckwerk, das Deutschlands Nordosten so schön macht. Von Süden kommend, wird der Reisende seit einigen Monaten begrüßt von einem gesprühten Aufruf „NS jetzt“, der bis zum Bahnhof noch weitere drei Mal auf Mauern und Häusern prangt. In verschwurbelter nationalsozialistischer Dialektik wird außerdem „Anti-Antifa“ propagiert, dazu mehrfach das Schicksal von „BRD=Volkstod“ bedauert, zuletzt ein „Stoppt Israel“ ausgerufen. Ist das einer dieser Orte, über den vor nicht allzu langer Zeit zu lesen war, dort wohne der Haß? Häßliche Deutsche im Rasse-Delirium? Nationalbefreite Zone?

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Rechtsstaatliche Kontrolltiefe. Zum Zeitvertreib bayerischer Polizeibeamter

Geschrieben von: Regina Ogorek Dienstag, den 15. Mai 2012 um 18:17 Uhr

Rechtsstaatliche Kontrolltiefe. Zum Zeitvertreib bayerischer Polizeibeamter.


Ich habe gute Kontakte in die Schweiz. Meine Zeit an der Universität Zürich – immerhin 7 Jahre – steht zweifellos als gewichtiger Habenposten in meiner Berufsbilanz. Auch danach blieben mir Land und Leute eng verbunden. Die Schweizer Rechts- und Staatsorganisation hielt für mich zwar mehr Überraschungen bereit, als ich angesichts der (nicht nur räumlichen) Nachbarschaft  je vermutet hätte, aber insgesamt hatte ich stets den Eindruck, ich bewegte mich auf vertrautem Gelände.

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Nichts hält länger als ein Provisorium

Mittwoch, den 09. Mai 2012 um 16:45 Uhr

Gastbeitrag von Jan Friedeborn


I. Das Provisorium

Derzeit bahnt sich das Ratifizierungsgesetz für den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) seinen Weg durch Bundestag und Bundesrat. Mit diesem soll die ursprünglich auf drei Jahre befristete Übergangslösung Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) verstetigt werden. Nicht mehr ein dubios anmutendes special purpose vehicle im Gewand einer Aktiengesellschaft luxemburgischen Rechts soll die Mitgliedstaatenmilliarden zur Rettung der PIIGS-Staaten verwalten, sondern eine internationale Organisation auf Basis eines völkerrechtlichen Vertrags.

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Julia Küppers II

Geschrieben von: Dieter Simon Freitag, den 20. April 2012 um 11:14 Uhr

Am 19. Januar 2012 war Julia Küppers in meinem Tagebuch. Jetzt taucht sie erneut auf. Zwischendurch wurde sie durch die universitäre Mühle geschleust. Christoph Paulus hat sich eingehend mit ihrem Text befasst und ein Gutachten geschrieben. Kurz und bündig, wie es seine Art ist. Die Mühle hat es auf meinen Schreibtisch gespuckt. Ich habe Paulus gefragt, ob er den Transparenzfreunden beitritt. Er hat lässig Zustimmung gewinkt. Wir reden noch ein bisschen darüber, wie man sich als Exempel Bauerkämper fühlen würde und verabreden uns zum Essen. Hier ist sein Votum:

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Braunhäute

Geschrieben von: Rainer Maria Kiesow Mittwoch, den 18. April 2012 um 12:34 Uhr

Neulich im Zug, Paris-Frankfurt, zweite Klasse, voll besetzt. Ein älterer Mann, Vater oder Großvater, mit drei Kindern, fortgeschrittenes Gymnasialalter. Bräunliche Haut. Die vier sprechen miteinander. Eine Sprache, die ich nicht verstehe, Englisch und Deutsch. Ich denke, es sind Inder, Pakistani oder Bangladeschi. Der Erwachsene hat einen gräulichen Anzug, ein beiges Hemd und eine erdfarben gestreifte Krawatte an. Er liest ein Technikbuch, Netzwerktechnik. Die Kinder sind ziemlich dick, sie lesen nicht.

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Einladungen

Geschrieben von: Dieter Simon Dienstag, den 17. April 2012 um 09:07 Uhr

Ich bin oft eingeladen. Das ist schön. Ich lasse mich gern einladen. Vor allem zum Essen. Weil ich ein alter Professor bin, müssen sich die Gastgeber etwas überlegen. Sie können mich nicht einfach zum Türken oder Chinesen an der Ecke führen, es sei denn, dort gibt es zufällig einen sehr guten Türken oder sehr guten Chinesen. Sie müssen selbst kochen, kochen lassen oder etwas Gehobenes aussuchen.


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Plagiarius IV

Geschrieben von: Dieter Simon Freitag, den 06. April 2012 um 08:55 Uhr

Theo-Ulrich Ludwig von Eichenbach, der Anonymus mit der zuckersüssen und nur leicht giftigen Suada könnte verstorben sein. Es finden sich Andeutungen von letaler Migräne, Ess- und Verdauungsstörungen (mit entsprechenden Gegenphantasien: siehe Sahnetorte!). Vor einiger Zeit hat er mir eine, wie er versicherte, letzte Erweiterung und Verbesserung seiner Karl Theodor-Studien geschickt. Ich habe sie auf Eis gelegt, weil ich seiner Schlußstrichbeteuerung keinen rechten (linken?) Glauben schenkte und befürchtete einem Karl Theodor-Bandwurm ausgesetzt zu werden, der mir mein Tagebuch ruiniert und zudem - da er Lektüre verlangt, zunehmend Langeweile verbreitet. Aber er hat sich nicht mehr gerührt, so daß ich meinerseits gerührt ob dieser unschicklichen Verdächtigung eines doch nicht unverdienten Mannes sein politisches Testament doch las und es jetzt unverzüglich als - wenn auch nicht im Mommsenschen Format - beherzigenswert publik mache.

 

Smartphonieren

Geschrieben von: Dieter Simon Donnerstag, den 05. April 2012 um 18:06 Uhr

Meine Assistentin Vera ist nicht zimperlich. Aber gelegentlich wird auch sie von irgerndeiner kleinen Widerwärtigkeit ins Bett geworfen. Dann schreibt sie gesellschaftskritische Noten und schickt sie mir, damit ich sie nicht allzusehr vermisse. Ausgerechnet zu Ostern muß ich statt mit ihr mit ihrem Text reden. Aber das Tagebuch profitiert.

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